Etappe 3: Hall in Tirol – St. Lorenzen
Die dritte Etappe meiner Radreise von München nach Venedig führte mich am 5. September 2023 von Hall in Tirol über den Brenner bis nach St. Lorenzen in Südtirol. Mit 120,89 Kilometern und 1799 Höhenmetern war es die längste und anspruchsvollste Etappe der gesamten Reise – ein echter Königstag auf dem Weg von Bayern an die Adria.
Schon kurz nach dem Start wurde klar, dass dieser Tag kein lockeres Einrollen werden würde. Der steilste Abschnitt kam nicht erst am Brenner, sondern überraschend früh: gleich nach Hall ging es kräftig hinauf Richtung Patsch. Dieser Anstieg hatte es richtig in sich. Die Beine waren noch nicht lange warm, und trotzdem musste man direkt ordentlich arbeiten.
Dafür wurde man oben mit dem ersten großen Gefühl dieser Etappe belohnt. Das Inntal lag hinter mir, die Route führte weiter Richtung Wipptal, und in der Ferne war immer wieder die Brennerautobahn zu sehen. Sie begleitet diesen Abschnitt optisch fast wie ein Wegweiser Richtung Süden. Nicht unbedingt romantisch, aber eindrucksvoll – und irgendwie gehört sie zum Brenner einfach dazu.
Der Aufstieg zum Brenner war ganz klar das große Highlight dieser Etappe. Der Brenner ist kein stiller, einsamer Alpenpass, sondern ein geschichtsträchtiger Übergang zwischen Österreich und Italien. Man spürt hier Verkehr, Transit und Bewegung – aber gleichzeitig auch diesen besonderen Moment einer Alpenüberquerung: Aus eigener Kraft über die Grenze nach Italien zu fahren.
Oben am Brenner war ein wichtiger Punkt der Reise erreicht. München lag nun schon weit zurück, Italien begann, und die gesamte Atmosphäre änderte sich spürbar. Sprache, Licht, Orte und Landschaft wirkten plötzlich anders. Genau dieser Übergang macht den Reiz von München–Venedig aus: Man fährt nicht einfach nur Kilometer, sondern erlebt mit jedem Abschnitt einen neuen Raum.
Besonders beeindruckend war der perfekt ausgebaute Radweg nach dem Brenner. Auf italienischer Seite führte die Strecke über weite Teile auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse hinunter Richtung Sterzing und weiter durch Südtirol. Dieser Abschnitt war einfach großartig: gleichmäßiges Gefälle, schöne Linienführung, alte Trassenabschnitte, Tunnel, Brücken und immer wieder Ausblicke in die Berge.
Nach dem langen Aufstieg fühlte sich dieser Radweg fast wie eine Belohnung an. Man konnte endlich wieder flüssig fahren, ohne ständig kämpfen zu müssen. Gleichzeitig blieb die Strecke spannend, weil die ehemalige Bahntrasse ihren ganz eigenen Charakter hat. Solche Abschnitte sind für Radreisende ideal: sicher, angenehm zu fahren und landschaftlich reizvoll.
Überhaupt waren die Radwege in Italien auffallend gut. Nach dem Brenner hatte ich immer wieder den Eindruck, dass die Infrastruktur für Radfahrer sehr durchdacht ist. Viele Wege waren hervorragend ausgebaut, klar geführt und meistens auch tatsächlich vorhanden. Gerade nach den alpinen Anstiegen ist das ein riesiger Vorteil, weil man sich stärker auf die Landschaft und das Fahren konzentrieren kann.
Der Weg führte weiter durch Südtirol, vorbei an Orten, Tälern und immer wieder mit Blick auf die umliegenden Berge. Nach dem Brenner wurde die Etappe zwar fahrerisch angenehmer, aber sie blieb lang. 120 Kilometer und fast 1800 Höhenmeter spürt man irgendwann. Trotzdem war dieser Tag einer der eindrucksvollsten der ganzen Reise, weil er den eigentlichen Alpenübergang markierte.
Das Ziel war St. Lorenzen im Pustertal. Nach diesem langen Tag dort anzukommen, fühlte sich großartig an. Der Brenner war geschafft, Italien erreicht und die Dolomiten rückten langsam näher. Damit war klar: Die Reise hatte eine neue Phase erreicht.
Für mich war diese dritte Etappe der sportliche Höhepunkt der Tour. Der steile Auftakt nach Patsch, der lange Weg hinauf zum Brenner, die sichtbare Brennerautobahn in der Ferne und dann dieser wunderbar ausgebaute Radweg auf der alten Bahntrasse – das war ein Tag, der viel Kraft gekostet, aber auch unglaublich viel zurückgegeben hat.