München–Venedig
Von München nach Venedig mit dem Fahrrad – das klingt erst einmal nach einer großen Reise. Und genau das ist es auch. Eine Tour, die in Bayern beginnt, durch Tirol führt, über den Brenner nach Südtirol hinüberwechselt und schließlich durch die Dolomiten und das Veneto bis an die Lagune von Venedig reicht.
Ich bin diese wunderschöne Radreise vom 3. September 2023 bis zum 8. September 2023 gefahren. In sechs Etappen kamen insgesamt 540 Kilometer und 4813 Höhenmeter zusammen. Die Strecke führte von München über Arzbach, den Achensee, Hall in Tirol, den Brenner, St. Lorenzen, Cortina d’Ampezzo und den Lago di Santa Croce bis nach Venedig.
Eine gute Orientierung für diese Alpenüberquerung bietet die offizielle Seite des Fernradwegs München–Venezia. Dort wird die Route als Verbindung durch drei Länder beschrieben: Deutschland, Österreich und Italien. Je nach genauer Streckenwahl kommt man auf etwas unterschiedliche Kilometer- und Höhenmeterangaben, aber der Charakter bleibt immer gleich: aus eigener Kraft von der Isar bis an die Adria.
Das Besondere an dieser Reise ist der ständige Wechsel der Landschaften. Am Anfang rollt man noch durch das bayerische Voralpenland, vorbei an Wiesen, Dörfern und ersten Blicken auf die Berge. Wer in München etwas Zeit hat, kann vor dem Start noch durch die Altstadt rund um den Marienplatz schlendern, den Viktualienmarkt besuchen oder an der Isar entlang einrollen. Auch das Deutsche Museum liegt sehr passend am Fluss und ist ein schöner Tipp, falls man schon am Vortag anreist.
Hinter München wird die Reise schnell ruhiger. Die Stadt bleibt zurück, die Berge rücken näher, und irgendwann spürt man, dass diese Tour mehr ist als nur eine lange Radfahrt. Es ist ein langsamer Übergang von Bayern in die Alpen. Der Abschnitt Richtung Arzbach und weiter zum Achensee gehört zu den schönen Einstimmungen dieser Reise: grüne Täler, kleine Orte, erste Anstiege und immer wieder diese Vorfreude auf das, was hinter dem nächsten Höhenzug wartet.
Der Achensee ist einer der ersten großen Höhepunkte. Der See liegt lang und klar zwischen Karwendel und Rofan und wirkt fast wie ein alpiner Fjord. Für Radfahrer gibt es in der Region zahlreiche Möglichkeiten, von gemütlichen Strecken am Wasser bis zu anspruchsvolleren Touren in die Berge. Nützliche Infos dazu findet man auf der Seite Radfahren am Achensee. Besonders schön ist hier der Moment, wenn man nach den ersten Höhenmetern oben am See steht und merkt: Jetzt ist man wirklich in den Alpen angekommen.
Von dort geht es weiter hinunter ins Inntal. Hall in Tirol ist ein sehr angenehmer Etappenort, historisch, überschaubar und nicht so groß wie Innsbruck. Wer Zeit hat, sollte durch die Altstadt von Hall bummeln. Die Stadt war durch Salz und Münzprägung über Jahrhunderte bedeutend und hat sich viel von ihrem alten Charakter bewahrt. Informationen zur Stadt gibt es bei Hall-Wattens Tourismus.
Innsbruck liegt nur ein Stück weiter westlich und ist auf dieser Route fast schon ein Pflichtpunkt. Die Stadt verbindet Alpenkulisse und Altstadt auf eine Weise, die man so nicht oft findet. Das Goldene Dachl, die Altstadtgassen und die mächtige Nordkette im Hintergrund machen Innsbruck zu einem echten Zwischenstopp mit Atmosphäre. Wer einen Ruhetag oder ein paar zusätzliche Stunden einplant, kann mit der Nordkettenbahn direkt aus der Stadt hinauf in die Berge fahren.
Der Brenner ist natürlich einer der großen Punkte dieser Tour. Nicht unbedingt der romantischste Alpenpass, aber ein geschichtsträchtiger Übergang und für eine Radreise nach Italien fast schon ein symbolischer Moment. Auf österreichischer Seite folgt man dem Wipptal, auf italienischer Seite beginnt Südtirol. Informationen zur Brenner-Radroute findet man unter anderem bei Südtirol.info. Oben angekommen weiß man: Jetzt beginnt der südliche Teil der Reise.
Hinter dem Brenner verändert sich vieles. Die Sprache, das Licht, die Orte und die Atmosphäre werden italienischer. Südtirol empfängt einen mit Tälern, Bergen, Radwegen und diesem besonderen Mix aus alpiner Klarheit und mediterranem Lebensgefühl. Auf dem Weg Richtung Sterzing, Brixen und Pustertal bieten sich viele schöne Stopps an. Sehr sehenswert ist zum Beispiel Sterzing mit seiner Altstadt, den Lauben und dem Zwölferturm.
Über St. Lorenzen geht es weiter Richtung Dolomiten. Spätestens auf dem Weg nach Cortina d’Ampezzo zeigt sich die Reise von ihrer spektakulären Seite: steile Felswände, weite Blicke und Orte, die nach großer Alpenkulisse aussehen. In dieser Region ist der Übergang zwischen Radreise, Naturerlebnis und klassischer Dolomitenlandschaft besonders stark.
Cortina d’Ampezzo ist dabei ein echtes Highlight. Der Ort liegt mitten in einer großartigen Bergwelt und markiert gefühlt den Übergang von der Hochgebirgsreise zur langen Abfahrt Richtung Süden. Informationen zu Cortina und zur Region findet man bei Cortina Dolomiti. Wer nicht nur durchfahren möchte, kann hier wunderbar einen zusätzlichen Tag verbringen: Kaffee im Ort, Blick auf die Tofane, ein Spaziergang oder einfach nur die Beine hochlegen.
Besonders schön ist der Abschnitt auf beziehungsweise entlang der ehemaligen Dolomitenbahn. Die Lunga Via delle Dolomiti folgt zwischen dem Raum Cortina und dem Cadore teilweise der alten Bahntrasse. Alte Bahnhöfe, Brücken, Tunnel und die Kulisse der Dolomiten machen diesen Abschnitt zu einem der eindrucksvollsten Teile der gesamten Reise.
Vom Hochgebirge geht es weiter Richtung Süden. Über den Lago di Santa Croce führt die Route langsam aus den Bergen heraus. Der See liegt wunderschön am Rand der Alpen und ist ein guter Ort, um noch einmal durchzuatmen, bevor die Landschaft offener und flacher wird. Informationen zur Gegend gibt es zum Beispiel bei Giro d’Italia Ciclovie. Nach den vielen Höhenmetern der Tage zuvor fühlt sich dieser Abschnitt fast wie ein Ausrollen an, auch wenn die Kilometer bis Venedig noch einmal lang sind.
Richtung Ebene kommen Orte wie Vittorio Veneto, Conegliano oder Treviso ins Spiel – je nachdem, welche genaue Strecke man wählt. Gerade Treviso ist ein schöner Tipp, wenn man nicht direkt nach Venedig durchrauschen möchte. Die Stadt ist kleiner und ruhiger als Venedig, hat Kanäle, Arkaden, Plätze und eine sehr angenehme Atmosphäre. Informationen dazu gibt es bei Visit Treviso.
Die Ankunft in Venedig ist dann etwas ganz Besonderes. Nach Tagen auf dem Rad, nach Bergen, Pässen, Tälern, langen Abfahrten und vielen Kilometern steht man plötzlich am Rand der Lagune. Venedig ist kein gewöhnliches Ziel. Gerade mit dem Fahrrad wirkt die Ankunft dort fast unwirklich: Man kommt aus eigener Kraft aus München an einen Ort, der wie eine andere Welt erscheint.
Wichtig zu wissen: In der historischen Altstadt von Venedig ist Radfahren nicht einfach wie in anderen Städten möglich. Wer mit dem Rad ankommt, sollte sich vorher um das Abstellen kümmern. Praktische Informationen dazu bietet die Stadt Venedig auf der Seite Venice and bicycles. Auch der BiciPark Venezia am Piazzale Roma ist für Radreisende ein nützlicher Hinweis.
München–Venedig ist eine Radreise mit allem, was eine große Tour ausmacht: schöne Radwege, lange Etappen, spürbare Höhenmeter, alpine Landschaften, italienisches Flair und ein Ziel, das man nicht so schnell vergisst. Eine Reise, die fordert, aber jeden Tag mit neuen Eindrücken belohnt.
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