6. Etappe: Vom Lago Santa Croce nach Venedig
Die sechste und letzte Etappe meiner Radreise von München nach Venedig führte am 8. September 2023 vom Lago Santa Croce bis nach Venedig. Nach fünf Tagen durch Bayern, Tirol, über den Brenner, durch Südtirol und die Dolomiten wartete nun der lange Abschlusstag Richtung Lagune. Die Etappe war 114,42 Kilometer lang und hatte noch einmal 414 Höhenmeter. Also kein ganz kurzer Ausroller, sondern ein richtiger letzter Reisetag.
Nach der Nacht am Lago Santa Croce war sofort zu spüren, dass sich der Charakter der Reise verändert hatte. Die hohen Berge lagen nun endgültig im Rücken, die Landschaft wurde weiter, milder und zunehmend venezianisch. Es war nicht mehr dieses alpine Gefühl der ersten Tage, sondern mehr und mehr die Fahrt in Richtung Ebene, Städte, Kanäle und Lagune.
Abschied vom Lago Santa Croce
Der Start am Lago di Santa Croce war ein schöner Moment. Der See liegt noch am Rand der Alpen, aber die Richtung war nun klar: weiter nach Süden, raus aus der Bergwelt und hinein ins Veneto. Nach den intensiven Tagen zuvor fühlte sich das fast ein wenig unwirklich an. Venedig war plötzlich kein ferner Gedanke mehr, sondern das Ziel dieses Tages.
Die Strecke begann angenehm und führte Schritt für Schritt aus der Landschaft der Berge heraus. Die Beine hatten inzwischen einiges hinter sich, aber gerade am letzten Tag fährt immer auch eine besondere Motivation mit. Man weiß, dass am Abend kein gewöhnlicher Etappenort wartet, sondern Venedig. Das gibt selbst einer langen Etappe noch einmal eine ganz eigene Energie.
Richtung Treviso
Je weiter die Route nach Süden führte, desto stärker öffnete sich die Landschaft. Die Berge wurden kleiner im Rückspiegel, die Orte dichter, und die Strecke bekam einen anderen Rhythmus. Nach den Dolomiten und den langen Abfahrten der Vortage war dies ein Tag, an dem man viel Strecke machen musste, ohne dass die großen Anstiege im Vordergrund standen.
Ein klares Highlight dieser letzten Etappe war die Fahrt durch Treviso. Die Stadt ist viel ruhiger als Venedig, aber wunderschön: Kanäle, Arkaden, Plätze, alte Häuser und eine sehr angenehme Atmosphäre. Nach den vielen kleinen Orten unterwegs wirkt Treviso fast wie ein eleganter Vorgeschmack auf das, was später in Venedig wartet – nur entspannter und weniger überwältigend.
Besonders schön an Treviso ist, dass die Stadt nicht nur Durchgangsort ist. Wer etwas Zeit hat, sollte hier unbedingt eine Pause einlegen. Die Altstadt, die Wasserläufe und die Plätze machen den Ort zu einem der angenehmsten Stopps auf dem Weg zur Lagune. Nach vielen Tagen Radreise ist so eine Stadtpause genau richtig: kurz absteigen, etwas trinken, schauen, ankommen – und dann weiter Richtung großes Finale.
Immer näher an die Lagune
Hinter Treviso wurde die Etappe wieder mehr zur Zielgeraden. Die Landschaft wurde flacher, die Orte dichter, und langsam merkte man, dass man sich der Küste und der Lagune näherte. Venedig kündigt sich nicht durch Berge oder einen markanten Gipfel an, sondern eher durch ein Gefühl: mehr Verkehr, mehr Wasser, mehr Stadt, mehr Erwartung.
Gleichzeitig blieb die Strecke ein langer Radtag. 114 Kilometer sind auch am letzten Tag nicht wenig, besonders wenn bereits fünf Etappen in den Beinen stecken. Aber genau das macht die Ankunft später so besonders. Man rollt nicht einfach kurz in ein Ziel hinein, sondern hat sich diesen Moment über Tage hinweg erarbeitet.
Über den Damm nach Venedig
Das große Finale war die Fahrt über den Damm nach Venedig. Nach all den Kilometern, Höhenmetern, Pässen, Tälern und Radwegen plötzlich auf die Lagune zuzufahren, ist ein Moment, den man nicht so schnell vergisst. Der Weg über den Ponte della Libertà verbindet das Festland mit Venedig und fühlt sich auf dem Rad wie die letzte große Linie dieser Reise an.
Links und rechts die Weite der Lagune, vorne das Ziel, hinten 540 Kilometer Radreise – das ist schon ein besonderer Augenblick. Venedig ist kein Ziel wie jedes andere. Nach München, Achensee, Brenner, Dolomiten und Veneto in diese Stadt hineinzufahren, hat etwas fast Unwirkliches. Man kommt aus eigener Kraft an einem Ort an, der eher wie eine Filmkulisse wirkt als wie ein normales Etappenziel.
Ankunft in Venedig
In Venedig selbst ist das Fahrrad natürlich ein spezielles Thema. Die historische Stadt ist keine klassische Fahrradstadt, und wer mit dem Rad ankommt, sollte sich vorher überlegen, wo es sicher abgestellt werden kann. Praktische Hinweise dazu gibt die Stadt Venedig auf ihrer Seite Venice by bicycle. Auch der BiciPark Venezia am Piazzale Roma ist für Radreisende ein sinnvoller Anlaufpunkt.
Die Ankunft war der emotionale Schlusspunkt dieser Reise. Sechs Etappen, insgesamt rund 540 Kilometer und 4813 Höhenmeter lagen hinter mir. Vom Start in München bis zur Lagune von Venedig hatte sich die Landschaft jeden Tag verändert: Bayern, Tirol, Brenner, Südtirol, Dolomiten, Veneto und am Ende die Stadt im Wasser.
Für mich war diese letzte Etappe ein würdiger Abschluss. Treviso war ein wunderschöner städtischer Höhepunkt kurz vor dem Ziel, und die Fahrt über den Damm nach Venedig war das große Finale. Genau für solche Momente fährt man Radreisen: weil ein Ziel, das man aus eigener Kraft erreicht, sich ganz anders anfühlt.
Etappendaten
- Datum: 08.09.2023
- Start: Lago Santa Croce
- Ziel: Venedig
- Distanz: 114,42 km
- Höhenmeter: 414 m
- Route: Lago Santa Croce – Treviso – Mestre – Venedig
- Charakter: langer Abschlusstag, deutlich flacher, urbaner und immer näher an der Lagune
- Highlights: die Fahrt durch Treviso und das große Finale über den Damm nach Venedig